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Streng geprüfte Schmiedekunst: Masterwork Cymbals

Helden der Handarbeit

Entwurf für drumheads, Ausgabe März  2018


Es bleibt ein Rätsel, warum Phil Collins speziell für seinen Song „Another Day in Paradise“ vor allem auf der Insel seit Jahrzehnten von Presse und Promis angespuckt wird, als wäre er Satans jüngster Sohn. Möglicherweise liegt es daran, dass weniger berühmte Gestalten des britischen Musikgeschäfts wie Oasis-Zuckerbübchen Noel Gallagher ihn lebenslänglich leidenschaftlich hassen. Schließlich hat Collins zu seinen Glanzzeiten mit gleich mehreren Titeln gleichzeitig die Charts dominiert, statt noch mehr Platz für Oasis zu machen. 


Mit den Lyrics von „Another Day in Paradise“ sagt Collins nichts anderes, als dass man sich bei jedem armen Teufel, der einem auf den Straße begegnet, vergegenwärtigen sollte, wie gut es doch den meisten Menschen mit ihren Luxusproblemen im Paradies der westlichen Welt geht.


Ein ähnlicher Eindruck drängt sich auf, wenn man sich auf Youtube Hampis Evlambides Kurzfilm über das ganz reale Universum der Beckenproduktion in einer Istanbuler Metallwerkstatt anschaut. Die Fertigung von Masterwork-Cymbals war zumindest im Jahr 2010, als die Dokumentation entstand, Lichtjahre entfernt vom piekfeinen und bestens dotierten Bilderbuch-Arbeitsalltag beim Schweizer Premium-Hersteller Paiste. Dort würde der Betrieb ganz sicher behördlich stillgelegt, sobald sich ein Mitarbeiter einer Maschine ohne zertifizierte Stahlkappenschuhe nähert.

Ob bei Masterwork auch heute noch ohne Handschuhe gewerkelt wird oder wenigstens der Mann am Hammerschlag mittlerweile mit Gehörschutz arbeitet, ist uns nicht bekannt. In jedem Fall ist der Respekt vor den Machern von Masterwork gewaltig, als das Set der Custom-Serie aus der Beckentasche flutscht. Das 16er Crash, das 20er Ride und die beiden 14-zölligen Hi-Hat-Becken sind in zeitlos schlichtem Finish gehalten, also weder hochglanzpoliert oder gleißend überzogen noch in rohem Vintage-Stil ausgeführt. Die sauber abgedrehte B25-Bronze schimmert dezent, Logo und Typenbezeichnung sind dazu passend unaufdringlich aufgebracht.


Hütchen mit Chic

Das hohe Hütchen ist ein echtes Highlight, das man sich beim Antesten nicht entgehen lassen sollte. Die Hi-Hat-Becken umarmen gleich mehrere klangliche Facetten. Ihr Chick ist schick, und halb geöffnet überzeugen sie als jedes Riff zerschneidende Groove-Peitsche. Weder lieblich noch scheppernd, aber immer scharf: Ihr spritziger Ton passt ideal zur gesamten Bandbreite von Jazz bis Rock und ist für diese Preisklasse sensationell.

  
Mit seiner Präsenz dominiert das Pärchen beinahe das 16er Crash, das zwar tonal bestens ins Set passt, aber dynamisch ein wenig bescheidener wirkt. Für Powerdrummer könnte dieses Cymbal eine Spur zu leise rüberkommen; es steht eher zwischen Splash und Crash. Alle anderen dürfen sich über einen definiert zischenden Ton mit mittlerem Sustain freuen.


Auch das Ride ist eher für feinere Gangarten gemacht. Angecrasht entwickelt es einen wunderbar vollen, dunkel gefärbten Charakter, so mystisch wie der Klangschalen-Gong eines buddhistischen Klosters. Seine Stärke ist der silbrig durchlaufende Ride; der Ton verhält sich stabil und zuverlässig wie ein – pardon – Schweizer Uhrwerk. Das Cymbal wurde so balanciert bearbeitet, dass es zu keiner Zeit zum Wabern und Aufschaukeln neigt. In seiner Gegenwart würde sogar der böse Noel für ein paar Minuten weich werden. Als wäre er im Paradies.

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